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System-WS 26 HiFi 2-Kanal Spezialist
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« am: 11. Oktober 2009, 21:38:33 » |
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Die Zeit ist reif für BRAUN ATELIER R-4
Berichtet aus der - Werkstatt 26 - Pierre Wittig Bremen
Das legendäre Designer-Label BRAUN schloss 1990 mit der Serie ATELIER ein großes Kapitel der HiFi-Geschichte ab. Freunde von anspruchsvoll gestalteten Audio-Geräten sprechen heute mit Hochachtung von den optischen und haptischen Qualitäten der BRAUN-Hifigeräte.
In den Internet-Foren mehren sich aber auch die Fragen: Wer kann die technisch anspruchsvoll konstruierten BRAUN-Geräte überhaupt noch reparieren oder vielleicht sogar generalüberholen? Die meisten Techniker, die solche Geräte heute noch aufarbeiten könnten, haben sich mit all ihrer Erfahrung zur Ruhe gesetzt.
Die Repairservice-Techniker bekommen deshalb immer öfter Reparatur-Aufträge für BRAUN-Geräte, denen auf den ersten Blick schon anzusehen ist: Ein gut meinender „Bastler“ hat wieder einmal ein wertvolles ATELIER-Gerät nachhaltig geschädigt. Derartige Schäden, die durch unsachgemäße Reparaturen verursacht werden, können und sollten Sie sich ersparen.
Als besonders empfindliches BRAUN ATELIER-Gerät erweist sich das Receiver -Modell R-4 -. Das flache Gehäuse ist ein Design-Klassiker, für das Schwerstarbeit leistende Innenleben (Tuner, Vorverstärker, Leistungs-Netzteil- und Endstufe) haben diese optischen Qualitäten allerdings eine katastrophale Wirkung: Wegen der geringen Luftaustausch-Möglichkeiten staut sich die heiße Luft und schädigt im Laufe der Zeit wesentliche Bauteile.
Nachfolgend listen wir Ihnen jene Mängel auf, die bei den ATELIER-Modellen immer wieder auftreten. Die meisten Schäden, die wir an diesen Geräten feststellen, sind konstruktions-bedingt. Weil diese Mängel ohne eine gründliche Aufarbeitung des Geräts immer wieder auftreten werden, empfehlen wir unseren Kunden eine Generalüberholung (Revision)
Bei der Revision Ihres R4 führen wir die folgenden Arbeiten aus:
Erste Arbeitsstunde Wir reinigen das Geräte-Innere, wo sich im Laufe von Jahrzehnten zahlreiche Schadstoffe angesammelt haben. Dabei achten wir besonders auf ätzenden Klebstoff, die wir sorgfältig entfernen müssen.
Zweite bis vierte Arbeitsstunde Wir optimieren zunächst auf der Grundplatine das Netzteil. Alle Elkos, die für die Spannungsversorgung zuständig sind, werden erneuert. Dafür verwenden wir ausschließlich Panasonic Elkos mit einer 105 Grad Spezifikation; diese Elkos sind zwar ein wenig teurer, aber die Erfahrung hat uns gezeigt: Es lohnt sich.
Anschließend erneuern wir die Gleichrichter, Spannungsregler und Transistoren, damit alle Baugruppen wieder auf gleichem Niveau arbeiten.
Fünfte Arbeitsstunde Wir überprüfen und löten sämtliche Lötstellen nach und erneuern die teilweise schon zerfressenen Datenbus-Drähte.
Sechste Arbeitsstunde Wir löten das Tuner-Board nach und erneuern auch hier schadhafte Elkos und Drähte.
Siebte Arbeitsstunde Wir zerlegen das Processor-Board. Diese Funktionseinheit ist wegen der Endstufen- -Abwärme (die Endstufe sitzt genau darunter) besonders stark beansprucht. Nach dem Zerlegen werden hier die feinen Lötstellen mit einer äußerst dünnen Lötspitze und mit allergrößter Vorsicht – und vor allem bei richtig gewählter Löt-Temperatur – nachgelötet.
Zwischentest (achte Arbeitsstunde) Wir koppeln die Endstufen von der Betriebs-Spannung und dem Vorverstärker ab. Wieder einschalten – und wenn nichts qualmt und kein Elko explodiert, kann der Test fortgesetzt werden: Alle Eingänge überprüfen, Sendersuchlauf starten, UKW-Empfang mit einem Mess-Sender kontrollieren und abgleichen, Sender speichern, Strom schlagartig am Trenntrafo abschalten; wieder einschalten und überprüfen, ob die Speicherung noch vorhanden ist. Zur Prüfung des Phono-Eingangs wird vom Tongenerator ein Testsignal mit einer Frequenz von 1KHz / -37db eingespeist. Schalter MM/MC umschalten und auf Aussetzer und Kanal-Ungleichheit mit einem Millivoltmeter untersuchen. Falls der Schalter extrem aussetzt und/oder das Signal verzerrt, herrscht zwischen den Kanälen große Ungleichheit.
Wer an seinem BRAUN R-4 auch einen Vinyl-Plattenspieler betreibt, sollte die Phono-Einheit bei der Aufarbeitung in der Werkstatt gleich mit überholen lassen. Um den entsprechen Schalter auszubauen, muss die gesamte Rückseite des Geräts zerlegt werden. Im Rahmen einer Komplett-Revision benötigt ein geübter Techniker dafür eine Stunde; falls diese Arbeit später einmal separat ausgeführt werden soll, erfordert sie noch mehr Stunden.
Neunte bis 10. Arbeitsstunde Nach diesem Zwischentest werden die Leistungstransistoren und Dioden der Endstufe auf Kurzschluss geprüft. Dann arbeiten wir die Stereo-Endstufen auf. Defekte Transistoren werden dabei grundsätzlich paarweise ersetzt, um absolute Symmetrie zu gewährleisten. Und auch hier arbeiten wir sämtliche Lötstellen nach. Weitere Arbeiten sind: Widerstände im Differenz-Verstärker erneuern, Elkos nachmessen und – falls notwendig – erneuern; sämtliche Transistoren im Stromspiegel erneuern.
Endtest: Die 11. Arbeitsstunde Alle Baugruppen sind nun wieder miteinander verbunden. Nachdem sich das Gerät fünf Minuten lang aufwärmen konnte, überprüfen wir den Ruhestrom, gleichen ihn ab und fahren die Endleistung langsam hoch. Wir beobachten die Sinuskurve und den Klirrfaktor beider Kanäle. Bei einem Lastwiderstand von 8 Ohm (simuliert den Lautsprecher) und einer Leistung von knapp 100 Watt Sinus pro Kanal darf dieser Wert (TDH) o,o3% betragen.
Test-Nachlauf
Nach dieser umfangreichen Aufarbeitung läuft Ihr Gerät in unserer Werkstatt am Testfed-Monitor noch einen Tag lang zur Probe. Sollten wir bei diesem Probelauf keine Mängel beobachten, bauen wir Ihren R-4 wieder vollständig zusammen und schicken Ihr Gerät sicher verpackt an die von Ihnen gewünschte Adresse zurück.
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Für weitere Fragen stehen meine Mitarbeiter und ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Senden Sie Ihre Frage einfach per Formular und bitten um eine Antwort der Werkstatt 26 (Pierre Wittig).
Ihr Piere Wittig Bremen
- Techniker 26 -
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